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Die goldenen Krieger von Panama

in News-Ticker 11.01.2012 21:04
von gaggii • Administratorin | 162 Beiträge

In Panama legten Forscher einen Friedhof mit mehr als tausend Jahre alten Gräbern frei, in denen goldbehangene Häuptlinge beerdigt wurden. Der Fund ist einer der bedeutendsten auf dem amerikanischen Kontinent seit langem - und die Neuentdeckung einer rätselhaften, kaum bekannten Zivilisation.

Das sonnenverbrannte Grasland gibt das Gold so schnell preis, dass Julia Mayo am liebsten "Stopp! Stopp!" rufen möchte. Jahrelang hat die Archäologin diesen Augenblick herbeigesehnt, aber jetzt ist sie überwältigt. Seit ihrer Doktorandenzeit sucht sie nach neuen Belegen für eine Kultur, die vor Jahrhunderten hier in Zentralpanama lebte.

2005 begannen Mayo und ihr Team die Stätte El Caño zu untersuchen, benannt nach einem nahen Wasserfall. Sie ermittelten die Lage vergessener Gräber, die in einem Kreis angeordnet waren. Bis 2010 hoben sie eine fünf Meter tiefe Grube aus und entdeckten darin die Überreste eines Häuptlings, dessen Leichnam mit Gold geschmückt war: mit zwei Brustharnischen, vier breiten Armreifen, Halsschmuck mit Glöckchen und einem Gürtel aus hohlen, olivengroßen Goldperlen. Das allein wäre schon ein Fund gewesen, der lebenslangen Ruhm sichert. Doch es gab mehr: eine regelrechte Schatzgrube.

Im Jahr 2010 kehrt das Team zurück, in der Trockenzeit, die von Januar bis April dauert. Ein zweites Grab mit genauso reichen Funden wird freigelegt. Offensichtlich ist auch dort ein wichtiger Häuptling bestattet, an Brust und Rücken trägt er je zwei goldene Harnische, dazu vier Armreife und einen funkelnden Smaragd. Neben ihm liegt ein Säugling, genauso mit Gold geschmückt, höchstwahrscheinlich sein Sohn. Eine Radiokarbon-Datierung ergibt, dass sie um das Jahr 900 bestattet wurden - in jener Zeit, als mehr als tausend Kilometer im Nordwesten der Niedergang der Maya begann. Es ist nicht das erste Mal, dass man in Panama auf einen archäologischen Schatz stößt. Knapp drei Kilometer entfernt hat man an der Sitio Conte - benannt nach den Grundeigentümern - einen der spektakulärsten Funde des Kontinents gemacht.

Der antike Friedhof lockte Teams aus Harvard und später auch der Universität von Pennsylvania an. Der Harvard-Archäologe Samuel Lothrop hielt die Bevölkerung von Sitio Conte für eine der Kulturen, auf die die Spanier bei ihrer Eroberung Panamas zu Beginn des 16. Jahrhunderts gestoßen waren. Doch die Sitio-Zivilisation ist wesentlich älter als Lothrop zunächst annahm.

Dorado für Archäologen
Heute glauben Fachleute, dass die Gräber der Häuptlinge aus dem 8. bis 10. Jahrhundert stammen. Die gefundenen Artefakte schienen den Beschreibungen der spanischen Eroberer zu entsprechen, weil sich einige Aspekte dieser Zivilisation bis zum 16. Jahrhundert unverändert erhalten hatten. Bis April 1940 hatten die Archäologen in Sitio Conte eine solche Menge von Kunstwerken für ihre Museen geborgen, dass sie wieder abreisten. Der eine oder andere setzte danach die Erkundung Panamas fort, aber niemandem gelang mehr ein bemerkenswerter Fund.

Trotz dieser ernüchternden Bilanz hoffte Julia Mayo, weitere Grabstätten zu finden - und zwar von Häuptlingen dieser Kultur. Sie hatte Lothrops Bericht über Sitio Conte als Forschungsassistentin am Smithsonian Tropical Research Institute gelesen. Daher wusste sie von den Monolithen und den Gräbern und vermutete einen Zusammenhang. Bei ersten Erkundungen fand sie Spuren eines leicht erhöht liegenden Kreises von etwa 80 Meter Durchmesser. Sie begann in der Mitte zu graben - ein Volltreffer. Julia Mayo glaubt, dass ihr Friedhof noch 20 Häuptlingsgräber enthält. Wenn sie schätzt, wie lange es dauern würde, sie alle zu finden, klingt es wie ein Scherz. In vier Jahren haben sie zwei Prozent des Friedhofes freigelegt. Falls sie in dieser Geschwindigkeit fortfahren, wäre die Ausgrabung in 196 Jahren vollendet. Doch ihr Team arbeitet langsam, kratzt sorgfältig den harten Schwemmlandboden weg, um nicht das kleinste Fundstück zu übersehen. Die Forscherin glaubt, dass die Gegend ein Dorado für Archäologen ist.

Nur wenige Kilometer flussaufwärts hat sie Hinweise auf einen weiteren Friedhof entdeckt. Sollte er ebenso wertvolle Funde enthalten, könnte sich dieses Gebiet als Panamas Tal der Könige erweisen. In Ägypten waren die meisten Gräber geplündert - hier aber könnten sie noch etliche Überraschungen bergen.

Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensc...,806247,00.html


Nichts ist haltbarer als ein gut gegrabenes Loch!

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