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In Bewegung ... die Ankunft des modernen Menschen in Europa

in News-Ticker 05.11.2011 23:02
von Natty • 61 Beiträge

In Bewegung ... die Ankunft des modernen Menschen in Europa

Der anatomisch moderne Mensch (Homo sapiens) besiedelte Europa schon 5.000 Jahre früher als bislang gedacht. Diesen Nachweis konnten zwei Forschungsteams bei erneuten Untersuchungen von Zahnfunden aus Höhlen in Italien und England erbringen.

Die prähistorische Höhle »Grotta del Cavallo« wurde 1960 in Apulien entdeckt. Ihre sieben Meter dicken archäologischen Schichten umfassen genau jene Zeit, in der sowohl Neandertaler als auch moderne Menschen dort nachweisbar sind. 1964 wurden dort von Arturo Palma di Cesnola (Emeritus der Universität Siena) zwei Milchzähne aus der sogenannten Uluzzian-Schicht ausgegraben. Charakteristika der Uluzzian-Kultur – bisher sind mehr als 20 Fundorte in Italien bekannt – sind die Produktion von Schmuck und Knochenwerkzeugen sowie die Verwendung von Farbstoffen. Solche Artefakte werden üblicherweise mit dem symbolischen Verhalten von modernen Menschen in Verbindung gebracht. Die Zähne von Cavallo wurden bei ihrer Entdeckung aber den vor 200.000 bis 40.000 Jahren lebenden Neandertalern zugerechnet. Diese Zuordnung galt seither als Beleg, dass die Uluzzian-Kultur mit ihren komplexen Ornamenten und Werkzeugen auf die Neandertaler zurückgehe.

Um zu einer Neubewertung der Zahnfunde aus der Cavallo-Höhle zu gelangen, wendete das Team um den Wiener Anthropologen Stefano Benazzi die sogenannte »Virtuelle Anthropologie« an. Dabei wurden sowohl die inneren als auch die äußeren Formmerkmale der Zahnkronen mithilfe der der Mikro-Computertomographie analysiert und mit den Zähnen von Neandertalern und modernen Menschen verglichen. »Die Resultate zeigen eindeutig«, so Stefano Benazzi, »dass die Funde der Grotta del Cavallo von modernen Menschen stammen und nicht von Neandertalern, wie ursprünglich angenommen.«

Da die früheren Radiokarbon-Datierungen des Uluzzian mit Vorsicht zu genießen und von Verunreinigungen beeinträchtigt sind, unternahm Katerina Douka von der University of Oxford den Versuch, die Fundstelle neu zu datieren. Generell ist die C14-Datierung paläolithischen Materials recht schwierig, weil der Gehalt an Radiokarbon sehr klein ist und Verunreinigungen schnell zu Problemen führen können. So auch bei den Zähnen aus der Cavallo-Höhle, die für eine direkte Datierung zu wenig Material lieferten. Douka datierte deshalb Muschelschalen aus derselben Fundschicht wie die Zähne und konnte deren Alter somit auf 43.000 bis 45.000 Jahre festlegen.

Das bedeutet, dass die Zähne aus der »Grotta del Cavallo« die bisher ältesten modernen Menschen in Europa repräsentieren. Dicht gefolgt von dem Oberkieferfragment eines modernen Menschen aus einer südenglischen Fundstelle, dessen Neuanalyse zeitgleich veröffentlich wurde und dessen Alter zwischen 41.000 und 44.000 Jahren anzusiedeln ist.

Das Kieferfragment wurde bereits 1927 in der sogenannten Kent's Cavern, einer Kalksteinhöhle in der englischen Grafschaft Devon, ausgegraben. Die 1989 an der Universität von Oxford durchgeführte C14-Datierung des Knochenfragmentes erbrachte ein Alter von 35.000 Jahren. Da das Fragment allerdings nach seiner Auffindung mit Klebstoff restauriert worden ist, wurde diese Datierung in den letzten Jahren aufgrund dieser Verunreinigungen zunehmend in Zweifel gezogen. Ähnlich wie bei der Neuanalyse der italienischen Fundstelle griff das Team um Tom Higham von der Universität Oxford auf Tierknochen zurück, die in unmittelbare Nähe des Kiefers gefunden wurden.

Angesichts des nun deutlich älteren Datums wurde auch das Kieferfragment einer neuen Analyse unterzogen. Die Forscher griffen auch hier zu CT-Aufnahmen, um die inneren und äußeren Charakteristika der Zähne aus Kent's Cavern untersuchen und vergleichen zu können. Wenn es auch noch einige Unsicherheiten gibt, sind sich die Forscher relativ sicher, dass hier der Kiefer eines Homo sapiens vorliegt.

Diese beiden neuen Studien bestätigen recht eindeutig, dass zum einen der moderne Mensch einige tausend Jahre früher als bisher angenommen in Europa eingetroffen ist und zum anderen, dass er den Kontinent recht zügig besiedelt hat. Im Endresultat ist damit auch die Koexistenz von Neandertalern und modernen Menschen deutlich länger.

Ebenfalls müssen nun die Fundkomplexe (wie bei der sog. Uluzian-Kultur) neu bewertet werden. Denn obwohl das Fundmaterial in der Technik des modernen Menschen hergestellt wurde, galten aufgrund ihres Alters bisher die Neandertaler als die Träger dieser Kultur.


Quelle: Archäologie Online


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